Ebook-Honorare aktuell

Was kann ich mit einem Ebook verdienen

 

Hat man ein eigenes Ebook geschrieben, stellt sich die Frage, wieviel Geld man damit verdienen kann, spätestens bei der Wahl des Vertriebsweges. Ob man reich damit wird, sei mal hinten angestellt. Ich werde hier nur die Preisgestaltung und Gewinnmöglichkeiten bei Amazon mit denen anderer ebook-publishing-Portale vergleichen. Was nach einem oder zwei Jahren im Säckel klingelt, hängt simpel davon ab, wieviel man verkauft. Und das wiederum, wie gut es einem gelingt, zwischen Tausenden anderer Ebook-Autoren aufzufallen.

In Amazons „kindle direct publishing“ (kurz: kdp) ist der Autor selbst sein Verleger. Dort werden ihm 70% Tantieme angeboten. Allerdings nur bei einem Endverkaufspreis zwischen 2.68 € und 9.99 €. Darunter und darüber gibt es lediglich 35%. Warum, steht in den Sternen. Sei´s drum. So ist es. Der effektive Erlös liegt bei beiden Margen noch etwas darunter. Jedes Unternehmen muss für verkaufte Produkte Mehrwertsteuer abführen. Seit 1.1. 2015 gilt auch bei Amazon der neue Satz von 19 %. Vorbei die schöne Zeit mit den 3 Prozent.

Im 70%-Tantiemenbereich werden pro verkauftes Buch noch Versandkosten abgezogen, eine Art Downloadgebühr, die dem Autor angerechnet wird. Sie beträgt 12 Cent pro Megabyte. Ein durchschnittlicher Roman dürfte diese Größe nicht überschreiten. Bei Fotobänden kann das teuer werden. (mein dort veröffentllchter Roman, nur Text, 200 Seiten in der Printfassung, hat als Ebook in der konvertierten Version 0.38 MB. Dafür fallen 0,05 € Versandgebühr an)

Die Rechnung sieht beispielhaft im einzelnen so aus:

70%-Tantiemenbereich, Buchpreis = 2.99 €

Minus 19 % Mehrwertsteuer = 2.51 €. Davon 70 % Tantieme = 1.76 €. Vorausgesetzt, das Buch ist nicht dicker als 1 Megabyte, gehen noch mal bis 0.12 € an Versandkosten runter. Bleibt für den Autor am Ende des Tages für jedes verkaufte Ebook mindestens 1.64 €.

35 %- Tantiemenbereich, Buchpreis = 1.99 €

Minus 19 % Mehrwertsteuer = 1.67 €. Davon 35 % Tantieme = 0.59 €. Da weiter nichts abgezogen wird, erhält der Autor das pro verkauftes Exemplar.

Der e-publisher Neobooks tritt als Distributor für den Autor auf. Hier reicht man sein Manuskript ein und Neobooks kümmert sich um den Verkauf (und einiges andere mehr). Außer Amazon beliefern sie noch eine Reihe weiterer Ebook-stores. Neobooks empfängt den Schreiber auf der Startseite so: „Sie erhalten 70% Autorenhonorar.“

Das klingt jetzt erstmal wie bei Amazon. Aber klingt eben nur. Diese Angabe ist nicht wirklich unseriös, aber wenigstens irreführend. Man muss sich erst durch die Seite fummeln, was das im Einzelnen bedeutet. Denn zwei Klicks weiter heißt es dann: „Sie erhalten 70 % des Nettoerlöses.“

Neobooks gibt an, für ein ebook zum Verkaufspreis von 1.99 € erhält der Autor 0.78 Euro. Also mehr, als wenn er es über Amazon selbst vertreiben würde. Das ist korrekt.

Trotzdem sind das gerade mal 39.2 % des Verkaufspreises. Worin die eingangs versprochenen 70% bestehen, wird erst nach umständlicher Rechnerei deutlich. Denn der Nettoerlös ist eben nicht der Endpreis. Auch Neobooks muss Mehrwertsteuer abführen, ebenfalls 19 Prozent. In diesem Fall kassiert das Finanzamt 0.32 € und man landet bei einem Nettopreis von 1.67 €. Das ist aber immer noch nicht der Nettoerlös.

Von diesen 1.67 € zieht Neobooks noch die „direkten Kosten der Auslieferung“ ab. Vermutlich das, was die sogenannten „Dritten“, die Online-shops, für ihre Dienste in Rechnung stellen. Dafür, dass sie Neobooks als professionellem Distributor den Online-Vertriebsweg öffnen, langen sie offenbar kräftig hin. Was dann vom Endpreis noch übrig bleibt, teilt sich Neobooks mit dem Autor 30 zu 70. Denn sie selbst wollen auch verdienen. Was völlig okay ist, sie bieten ja auch etwas dafür.

Und jetzt muss man das Ganze erst von hinten aufdröseln. 0.78 € Honorar sind 70 Prozent von 1.11 €. Dann ergibt sich folgendes Bild:

Buchpreis = 1.99 €, abzüglich 19 % Mehrwertsteuer = 1.67 €, abzüglich direkte Kosten der Auslieferung = 1.11 €, davon 70 % Autorenhonorar, macht in der Tasche des Schreibkünstlers pro verkauftes Exemplar besagte 0,78 €. In dieser Preisklasse ist das für den Autor gegenüber dem Eigenvertrieb bei Amazon immer noch ein Gewinn.

Zu Ebooks mit einem Verkaufspreis zwischen 2.99 € und 9.99 € siehe update.

Ein weiterer e-publisher ist bookrix. Er tritt ebenfalls als Verlag auf und funktioniert im Prinzip wie Neobooks. Hier gestaltet sich das Honorar etwas durchsichtiger. Sie sprechen auf der Startseite zwar ebenfalls von 70 % Autorenhonorar, aber mit dem entscheidenden Zusatz: Nettoerlös = Verkaufspreis abzüglich Mehrwertsteuer, Gewinnspanne/Vertriebskosten der Shops.  Darüberhinaus stellen sie auf ihrer Seite einen Kalkulator zur Verfügung, in den man den gewünschten Endverkaufspreis eingeben kann. Und der rechnet direkt aus, was für den Autor übrig bleibt. Beim Endpreis von 1.99 € zum Beispiel 0.60 bis max. 0.82, je nach Shop.

Die Frage nach dem besten Weg, sein Buch zu verkaufen, ist also nicht pauschal zu beantworten. Wo man am meisten verdienen kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eins lässt sich dennoch festhalten. Amazon ist der bekannteste und am stärksten frequentierte Anbieter. Er stellt damit den größten Stamm potentieller Kunden bereit und zwar mit gewaltigem Abstand zur Konkurrenz. Das macht das „kindle direct publishing“ zumindest im 70-Prozent-Tantiemen-Bereich zur ersten Wahl. Denn es gibt keine Garantie, ob die Verkäufe über die zusätzlichen Shops von Neobooks und bookrix die geringeren Gewinnmargen für den Autor wieder auffangen. Das kann man nur ausprobieren. Da bei diesen beiden e-publishern die Verträge täglich gekündigt werden können, sogar schmerzfrei. Dann hat man immer noch die Möglichkeit, das Buch bei Amazon selbst zu verlegen.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis zur Preisgestaltung des eigenen Ebooks. Gerade der 70%-Tantiemen-Bereich bei Amazon verführt dazu, beim Buchpreis in die Vollen zu gehen. Als Autor hat man in sein Werk viel Zeit, Arbeit und womöglich auch einiges an Geld investiert. Der Wunsch, sich diese Mühe entsprechend entlohnen zu lassen, ist verständlich. Warum also nicht 5.99 € für ein zwei-bis dreihundert Seiten dickes Buch verlangen? Schließlich ist das immer noch günstiger als ein vergleichbares Druckwerk in einer Buchhandlung. Und ein solcher Preis verspricht trotzdem einen Gewinn, den man auf dem Printmarkt pro Exemplar nie erzielen würde. Stimmt. Aber bei diesem Preis wird es auch auf dem Ebook-Markt höchstwahrscheinlich bei dem Versprechen bleiben.

Das hat einen einfachen Grund. Der Großteil der Leser, die einen e-reader besitzen, ist auf leichte Unterhaltung aus. Krimis, Thriller, simpel gestrickte Historien-Romane, Mädchen mit Vampiren, Horror, Fantasy und dergleichen. Wegwerfware, die nur ein einziges Mal gelesen wird und dann geht´s gleich auf zum nächsten Buch. Das Angebot in diesen Genres ist entsprechend groß. Und kaum jemand ist bereit, für etwas, das er nur einmal nutzt, mehr als 2.99 € zu bezahlen. Wenn überhaupt so viel. Es lohnt ein Blick auf die Selfpublishing-Titel bei Amazon. Dort finden sich etliche Ebooks zwischen 400 und 800 Seiten, die für 1.99 € oder sogar nur 0.99 € rausgehauen werden.

Zumindest in den USA gibt es bereits Untersuchungen, die belegen, das derart günstige Titel bis zu zwanzigmal häufiger verkauft werden als vergleichbare, teurere Angebote. Diese Käufer-Mentalität drückt auch auf die Selbstverleger-Autoren, die anspruchsvolle Literatur unter das Volk bringen wollen. Selbstverständlich ist ein guter Roman deutlich mehr „wert“ als Massen-Ramsch. Das wird bloß nicht oder nur selten anerkannt. Selbst wenn das eigene Werk zwei Jahre Blut, Schweiß und Tränen gekostet hat: Runter mit dem Preis! Das ist der saure Apfel, in den die wenigen, wirklich guten Autoren beißen müssen. Erst wenn der Laden läuft, kann man darüber nachdenken, ein oder zwei Euro mehr zu verlangen.

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