9 – Grauzone

Verfummeltes Leben

Norddeutschland, Lingen, Daniel Dekkard, Saigon Sound

Beliebige Ortsausfahrt einer Kleinstadt, Norddeutschland:

„Krieg einfach zuviel Sonne ab. Immer nur Berge, Dschungel, Tropenstrände. Dachte, da müsste mal was kaltes, unspektakuläres auf den Reiseplan. Schlug hier vor knapp drei Wochen auf. Palmen, Meer und Dschungel Fehlanzeige. Und die höchste Erhebung ist das nahegelegene Atomkraftwerk. Heute morgen Eis von den Autoscheiben gekratzt. Alles richtig gemacht. Kälter und unspektakulärer ging nicht.“

 

 

 

 

 

 

 

8 – Reinkarnation

Verfummeltes Leben

Deshnok, Rajasthan, Westindien:

Ratten (Custom)„DAS sind alles Autoren!

Südlich der reizvollen Stadt Bikaner in Rajasthan steht der Rattentempel Karni Mata. Benannt nach der Inkarnation der Frau des Vishnu.

Sie bat einst den Totengott Yama, den Sohn eines trauernden Geschichten-
erzählers wieder zum Leben zu erwecken. Als Yama sich weigerte, sorgte Karni Mata dafür, dass alle toten Geschichtenerzähler als Ratten wiedergeboren werden und brachte Yama damit um menschliche Seelen.
Hallo, Kollegen. Na, wenn das mal keine tröstlichen Aussichten sind. Frei Kost und Logis. Kann man im Diesseits oft nur von träumen.
Es soll mächtig Glück bringen, wenn einem eine Ratte über die Füße huscht. Mir sind gleich fünf drübergelaufen und eine wollte partout ins Hosenbein. Mein Herbergsvater in Bikaner meinte: „You must be a very lucky man, then.“

Glück ist allerdings eine extrem biegsame Angelegenheit. Möglich auch, dass ich mein gesamtes Glück schon verbraucht habe, als ich den Tempel wieder verließ. Vor dem Eingang muss man seine Schuhe abgeben. „Free service“, heißt es da. Holt man sie wieder ab, wird plötzlich Bakschisch fällig. (Es ist eine indische Rajasthan, Indien, Daniel Dekkard, Saigon SoundEigenart, auch aus dem Wörtchen „frei“ eine biegsame Angelegenheit zu machen.)
Anderen wurde in die Tasche gelangt, mir nicht.“

7 – Himalaya

Verfummeltes Leben

Himalaya, Indien, Daniel Dekkard, Saigon Sound

 

 

 

Auf einem Berg in Sikkim, Nordostindien:

„Zumindest bei Männern ist Fertilität keine Frage des Alters. Pala, knapp über 80 und Betreiber eines Gasthauses auf eben jenem Berg. Hält da nicht etwa seine Enkelin im Arm, sondern seine jüngste Tochter. Behauptete, in jungen Jahren der Koch des Dalai Lama gewesen zu sein.  Lieferte auch einen Beweis. Die von ihm kredenzten Mahlzeiten orientierten sich geschmacklich allesamt an der buddhistischen Tugend der Bescheidenheit.“

6 – Coiffeur

Verfummeltes Leben

Shanberge, Burma, Daniel Dekkard, Saigon Sound

Kalaw, Burma:

„Gute Friseure Mangelware in diesen Breiten. Ist eine Vertrauensfrage. Wie bei Zahnärzten. Bei der falschen Wahl wird´s schmerzhaft. Das eine optisch, das andere ganz konkret. Ein Freund empfahl mir diesen Mann. Meister der Schere und sackbillig obendrein. Da kann man schon mal über die spartanische Ausstattung des Salons hinwegsehen.“

5 – Fitness

Verfummeltes Leben

Bodybuilding in Saigon, Daniel Dekkard, Saigon Sound

Saigon, Vietnam:

„Schlaff hier allmählich ab. Dachte, ich müsste mal was für den Körper tun. Joggen wegen backofenartiger Temperaturen nur nachts möglich. Knochenbrüche eingeschlossen. Pisten sind mangelhaft präpariert und die spärliche Beleuchtung tut ein übriges. Dann lieber Eisenstemmen. Sah nach vier Wochen nicht annähernd so aus wie auf dem Bild versprochen. Eindruck bei den Mädels hält sich entsprechend in Grenzen.“

4 – Edler Tropfen

Verfummeltes Leben

Edles Tröpfchen

Penang, Malaysia:

„Entdecke in einem Mini-Markt um die Ecke eine verstaubte Flasche Bordeaux. Echter, heißt französischer. Man weiß ja nie. Vielleicht gibt´s inzwischen auch kalifornischen Bordeaux. Erstaunlich günstig, die Buddel. Stelle zuhause fest, dass der schon 12 Jahre in der Flasche herumlümmelt. Tropfen ist leider nicht von der Sorte, die dadurch unbedingt besser wird. Hatte anderntags eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Typ auf dem Reklamebild. Wachte aber ohne Grinsen auf. Und auch ohne Braut.“

3 – Gefahren des Dschungels

Verfummeltes Leben

Rucksack und Schnellfeuergewehr, Daniel Dekkard, Saigon SoundKaen Krachan, Südthailand:

„Kleinen Ausflug in den Dschungel unternommen. Da kraucht eine Menge übles Zeug herum. Man muss sich wehren können. Die größte Gefahr geht nicht notgedrungen von den Teilen aus, die nur vier Beine haben. Elefanten lassen sich mit einem beherzten `Fuck-off´ beeindrucken. Giftspinnen nicht. Schwer zu treffen, die Viecher. Auf Dauerfeuer gestellt streut die Knarre aber ganz ordentlich.“