Teil 1

Erfolgreich Bücher schreiben und verkaufen

Die folgenden Tips* und Tricks wenden sich an angehende oder bislang wenig erfolgreiche Autoren und Autorinnen. Diejenigen, die bereits von ihrer Arbeit leben können, finden hier vielleicht Anleitungen, noch mehr Geld zu verdienen.

Vorneweg noch ein kurzes Wort an die Autorinnen: In den Lektionen benutze ich die männliche Form nur stellvertretend. Genauso wie das Wörtchen „man“, das sich im Laufe der Jahrhunderte als neutrale Bezeichnung für alle Humanoiden eingebürgert hat. Bei jedem Bezug auf Personen immer -/in hintendran zu setzen, oder er/sie und ihm/ihr zu schreiben, verdaddelt den Text stellenweise ins Unlesbare.

Talent und Motivation

Sie haben sich entschlossen, zu schreiben UND damit Geld zu verdienen. Oder wenigstens veröffentlicht zu werden. Das ist ein dunkler, einsamer Pfad und er führt direkt in eine Welt voll Schmerz und Qual. Auf diesem Weg sind schon unzählige Ihresgleichen umgekommen und es werden unzählige folgen. Das Verhältnis dieser Opfer zu den wenigen Erfolgreichen lässt sich mit Lottospielern vergleichen. Eine Handvoll gewinnt etwas Nennenswertes und Millionen werfen zweimal wöchentlich ihr Geld zum Fenster raus. Die Gründe dafür lege ich noch ausführlicher dar. Es gilt zunächst, einige populäre Irrtümer um das Schreiben auszumerzen, die sich hartnäckig als Wahrheit halten.

Lektion 1

Die Methode, sich Geschichten auszudenken und sie anderen zu erzählen um des eigenen, materiellen Vorteiles willen ist vermutlich in der Jungsteinzeit erfunden worden. Seitdem ist noch NIE jemand ein berühmter und erfolgreicher Autor geworden, nur weil er einen Kurs für kreatives Schreiben belegt hat. Die absolute Grundvoraussetzung ist TALENT. Das kann man nicht lernen. Das hat man, wie man braune oder blaue Augen hat.

Im letzteren Fall können Sie mit Kontaktlinsen Ihre Mitmenschen über die wahre Augenfarbe täuschen. Einen Kreativkurs auf fehlendes Talent zu kleben, ist schlichtweg unmöglich. Vergleichen wir es mit Klavierspielen. Jeder kann es lernen. Wie das Schreiben ist es eine Technik. Aber es sind die Begabten, die es in die Konzertsäle schaffen. Die Uninspirierten quälen auf Dauer die Welt mit falsch angeschlagenen Tönen. Ohne Talent geht nix! In den USA (wo sonst!) gibt es einen Menschen, der das Gegenteil behauptet: Geoff Colvin in seinem Buch „Talent is overrated…“.

Eins hat er messerscharf erkannt. Es gibt eine Menge Leute, die genau das gerne hören wollen. Vorzugsweise jene, die bereits in der dumpfen Ahnung leben, keinerlei Begabung zu besitzen. Und dann schreibt er mal schnell eine von diesen typisch amerikanischen Jeder-kann-alles-erreichen-Glücksverheißungs-Schwarten. Und widerspricht dabei dem Titel des eigenen Buches. Denn er selbst verfügt über ein beachtliches Talent. Das, den Ahnungslosen für diesen Dünnpfiff das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Es gibt ein oder zwei Verfahren, auch mit einem Mangel an Begabung zu Erfolg zu kommen. Dazu später.

Besitzt man die Basis, das Talent, macht ein Kurs in kreativem Schreiben nichts anderes, als einen Rohdiamanten zu schleifen und ihn in einen Brillanten zu verwandeln. Ohne Talent ist es wie mit Holz. Das kann man auch schleifen. Nur entsteht dabei kein Edelstein.

Lektion 2

ALLE, die einen Kurs für kreatives Schreiben absolvieren, glauben fest daran, ein Rohdiamant zu sein. Nur einer Handvoll von ihnen gelingt es, eine gute Geschichte zu veröffentlichen. Diese Rechnung geht nicht auf! (Selbst wenn man berücksichtigt, dass sogar fähige Schreiber auf dem Weg der Verdammnis verrecken. Das ist die alleinige Schuld von Agenten, Lektoren und Verkaufsleitern. Ihr Urteil fällt wie das Beil eines Henkers!)

In den Schreibkursen sitzt demzufolge also ein ganzer Haufen Holz, dessen angebliches Talent langsam aber stetig zu Spänen zerraspelt wird, bis nichts mehr übrig ist. Betrachten Sie die oben angestellte Gleichung neutral und Ihnen wird etwas auffallen. Die Wahrscheinlichkeit, zu dem Haufen Holz zu gehören, ist ums tausendfache höher als die andere Möglichkeit.

Und kein Creative-writing-Kursleiter wird einem ins Gesicht sagen, die eigene Fähigkeit reiche nur zum Hobeln. Hält man ihm die erste Textprobe unter die Nase, wird er überwiegend schmackhafte Worte finden. Hier ein paar der beliebtesten Zückerli, die, versteht sich von selbst, allesamt vergiftet sind.

„Das hat schon viel Schönes.“

„Ein interessanter Ansatz.“

„Die Grundidee ist auf jeden Fall ungewöhnlich.“

„Daraus kann man etwas machen.“

Die Leute sollen gefälligst in seinem Kurs bleiben. Er will, wie Mister Geoff Colvin, ihr Geld! (Es gibt nicht nur solche Wegelagerer in diesem Dickicht. Aber selbst die guten Lehrer halten sich in puncto Schonungslosigkeit bedauerlicherweise zurück.)

Sie müssen also selbst herausfinden, wie es um Ihre Begabung bestellt ist. Das ist hartes Brot. Und die zur Verfügung stehenden Strategien sind arg begrenzt in der Zahl. Eine ist die Frage nach der Motivation.

Lektion 3

WOLLEN ist kein Argument! Man muss schreiben MÜSSEN. Entweder suchen Sie die Toilette auf, weil Sie nach der verbliebenen Menge Zahnpasta sehen wollen oder weil Sie pinkeln müssen. Das eine ist banal, das andere dringend. Der Unterschied zwischen Wunsch und Zwang. Oder, wie es Sol Stein, einer der besten Schreiblehrer, der mir untergekommen ist, ausdrückte:

Ein Schriftsteller ist einer, dem es unmöglich ist, nicht zu schreiben.

Kleben Sie sich das Sprüchlein an den Spiegel, über das Bett und auf den Monitor Ihres Computers. Betrachten Sie ein, zwei Wochen, was geschieht. Erwischen Sie sich in der Zeit überwiegend beim Umtopfen von Balkonpflanzen und ähnlichen Belanglosigkeiten, sieht das mit der Motivation bedenklich aus. Das sicherste Indiz für das Fehlen jedes Antriebes ist: in einer Kneipe sitzen und über das Schreiben reden. Warum also drängt es einen zum Schreiben? Der Wunsch nach Wohlstand, Ruhm und Anerkennung? Hat nichts mit Motivation zu tun. Ebenso wenig wie die Überzeugung, das, was man schreiben WILL, müsse unbedingt der Menschheit untergejubelt werden. Es gibt tatsächlich nur einen einzigen Grund:

„Ich kann nicht anders!“

Mehr brauchen Sie nicht. Aber auch nicht weniger.

* Warum dort „Tips“ steht und das fehlende P KEIN Rechtschreibfehler ist, erkläre ich hier.

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