Teil 2

Erfolgreich Bücher schreiben und verkaufen

Wie und das große Was?

Lektion 4

Ein Indikator für vorhandenes Talent ist der ZWEIFEL an eben diesem Vorhandensein. (Ist es umgekehrt, wird´s haarig: Kommt nicht der geringste Zweifel an der eigenen Befähigung auf, ist da meist nichts, was bezweifelt werden könnte.)

Wenn Sie also Ihr Geschreibsel durchlesen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen über den Mist, den Sie da verzapft haben, ist zunächst mal eins geschehen:  Sie haben etwas zu Papier gebracht! Im günstigsten Fall, weil Sie mussten. Und jetzt entdecken Sie da auf einer Seite 15 Hilfsverben, 6 unnötige Adjektive und dreimal den falschen Gebrauch von „schien“ und „fast“. Das Ganze klingt völlig hohl und von dem intensiven Gefühl, das Sie erzeugen wollten, ist nur ein müder Hauch übrig geblieben. (Ist mir bei meiner Erstfassung auch passiert.)

Wer glaubt, nur ein total unbegabter Pfosten könnte solchen Murks fabrizieren, dem sei gesagt: falsch! Denn der Zweifel am Talent führt erst dazu, diese Fehler zu erkennen. Einem Depp, der nur schreiben WILL, würden sie gar nicht auffallen. Der ist volltönend von der spontan erzeugten Qualität seines Satzgeklappers überzeugt. Und liegt damit immer daneben. Nicht einmal wirklich großen Schreibern flitzt es fehlerfrei aus der Feder. Ernest Hemingway sagte dazu:

Der erste Entwurf ist immer Scheiße!

Und das bezieht sich nicht nur auf die Sprache, sondern auch auf die Idee, Form und Inhalt. Alle Macken in einem Text lassen sich ausmerzen. Man muss sie eben nur sehen. Der Zweifel stößt einen mit der Nase drauf. Das Talent erledigt den Rest.

Lektion 5

Dem Talent auf dem Fuß folgen Kreativität, Inspiration und, sollte das mit der Reichweite der eigenen Phantasie nicht hinhauen, der Diebstahl. Wie immer man zum Urheberrecht steht: Der Diebstahl hat ein hässliches Gesicht. Wer die Ergüsse eines anderen verwendet, in welcher Form und Größenordnung auch immer, schmückt sich mit fremden Federn. Und vertuscht, dass die eigene Vorstellungskraft zu dünn ausfällt, von selbst auf solche Ideen zu kommen. Das offenbart Charakterschwäche. Umso mehr, wenn einem das auch noch egal ist. Oder sich mit Intertextualität herausredet.

Die wird gern damit begründet, sie sei das gleiche wie einen Song zu covern. Und das ist falsch! Ein Coversong ist ein eigenständiges Werk, eine Interpretation der Vorlage. Ich empfehle, sich Screamin´ Jay Hawkins´ „I put a spell on you“ anzuhören. Und dann die Version von Marilyn Manson! Darüber hinaus ist sie unzweifelhaft als Cover deklariert. Das Werk eines anderen unverändert übernehmen und als eigenes auszugeben, ist ganz einfach klauen.

Die Inspiration trägt Züge des Diebstahls. Weswegen leichtfertige Gemüter beides gern verwechseln. Ein Autor wird von allem und jedem inspiriert, stiehlt sich sozusagen die Fragmente zu der eigenen Idee aus der Welt zusammen. Nur sollte er das dann nicht einfach kopieren. Ausreichend Kreativität vorausgesetzt wird er es in den eigenen, originellen Zusammenhang fassen. Eine Interpretation der Realität herstellen. Und da stoßen wir auf das große WAS? Über was soll ich denn schreiben? Es droht das berühmte Sprüchlein: „Alles ist schon erzählt worden.“

Gleichzeitig wahr und nicht. Wahr ist es, weil es nur zwei Themen gibt, um die die menschliche Existenz auf ewig kreist. Liebe und Tod. Das eine wollen wir wie der Teufel die arme Seele, das andere mit derselben Vehemenz nicht. Steuern aber unausweichlich darauf zu. JEDE Geschichte hat die Liebe oder den Tod oder beides, offen oder versteckt, zum Inhalt. Alle anderen vordergründigen Themen, Hoffnung, Angst, Schmerz, Begierde, Hingabe, Gewalt, Wut, Verzweiflung, Sehnsucht, usw. sind, wie im Leben, nur Variationen darauf.

Wahr ist es, weil die Zahl der dramatischen Situationen, dieses Feld zu beackern, begrenzt ist. Laut Georges Polti sind es genau 36. Da stehen sie alle.

Unwahr ist es, weil die Zahl der Möglichkeiten, dieses Feld auf seine eigene Art und Weise zu beackern, etwa 7,1 Milliarden beträgt. So viele Menschen leben zur Zeit auf diesem Planeten. Besäße jeder von ihnen die Fähigkeit, ein Buch zu schreiben, es kämen keine zwei identischen dabei heraus.

Lektion 6

Die meisten Kursleiter für kreatives Schreiben beantworten die Frage nach dem großen WAS? so:

„Schreiben Sie über etwas, das Sie kennen.“

Wenn DER Spruch fällt, packen Sie die Klamotten und fliehen Sie. Und zwar stante pede.* Das ist der mieseste Rat, den Sie bekommen können. Es sei denn, Sie sind ein zweiter Hemingway. Aber wer hat schon als 17-Jähriger bei einer Zeitung angefangen, ist im 1. Weltkrieg verwundet worden, war Auslandskorrespondent in Paris, lag als Berichterstatter in den Schützengräben während des spanischen Bürgerkrieges und überlebte bei einer Safari in Afrika zwei Flugzeugabstürze?

Und wenn! Führt man ein solches Leben, würde da jeder schon von selbst draufkommen, so etwas literarisch zu verarbeiten. Für den Tip braucht er keinem abgehalfterten Schwätzer Geld in den Rachen zu werfen. Glaubt jemand, Vladimir Nabokov hätte eine Zwölfjährige entführt und gevögelt und dann „Lolita“ geschrieben? Weil er das KENNT? Schon klar, warum viele Creative-writing-Lehrer mit der Nummer kommen. Es ist ihnen eines bewusst. Die Chance, einen zweiten Hemingway oder Nabokov in der Klasse sitzen zu haben, geht gegen null. Aber wenn sie ehrlich zu sich selbst und zu ihren Anbefohlenen sind, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als zu sagen:

„Wenn Sie Versicherungsvertreter sind, tun Sie der Menschheit einen Gefallen und schreiben Sie kein Buch darüber.“

Das wäre konsequent und richtig. Die privaten und beruflichen Belange einer ihr unbekannten und dazu noch unspektakulären Person interessiert keine Sau. Das soll nicht heißen, jemand, der hauptberuflich Versicherungen verkauft, beim Finanzamt arbeitet, Hunde trainiert oder Kinder hütet, hätte keine interessante Geschichte zu erzählen. Mein Rat lautet: Schauen Sie nach innen! Es gibt ein anderes Sprüchlein:

Die Qualen des Lebens sind die Quellen der Kunst.

(Habe ich zum ersten Mal gehört in der wunderbaren Filmkomödie „Serenade zu dritt“ von Ernst Lubitsch. Muss nicht sein originärer Einfall gewesen sein. Trotzdem will ich vermeiden, Abteilung Diebstahl, mich als Urheber dieser Weisheit hervorzutun.)

Gemeint ist, dass die dramatischsten, und damit besten Geschichten davon handeln, wie eine Person etwas, das sie unbedingt will, nicht bekommt. Oder ihr etwas droht, das sie unter keinen Umständen will. Schreiben Sie über Liebe oder Tod. Oder über eine der Variationen. Das ist der Sprengstoff der Geschichte. Es kann durchaus ein Versicherungsvertreter, Finanzbeamter, Hundetrainer oder Kindergärtner leiden. Das ist nur die dünne Plastikhülle, mit der das Dynamit umwickelt ist.

* Das ist Latein und übersetzt sich: „stehenden Fußes.“ Klingt widersinnig, weil man schlecht fliehen kann, ohne die Füße zu bewegen. Gemeint ist: Fliehen Sie, von dort, wo Sie gerade stehen. Ergo: unverzüglich. Der Ausdruck findet sich wieder im Deutschen bei: auf der Stelle, was ebenfalls „sofort, ohne Zögern“ bedeutet. Hätte ich zum besseren Verständnis auch schreiben können, aber ich wollte ein bisschen mit meiner humanistischen Bildung angeben.

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