Teil 4

Erfolgreich Bücher schreiben und verkaufen

Erfolg ohne Talent

Lektion 10

An zwei Dingen mangelt es jedem Autor: die Fähigkeit zur Kritik an den eigenen Ergüssen und Menschen, die als Kritiker taugen. Beißt sich mächtig in den Schwanz die Nummer, und daraus gibt es kaum ein Entrinnen. Das Defizit an Kritikfähigkeit entspringt der Seele des Autors als Künstler, das zweite ist Pech. Zur Seele des Autors verweise ich auf ein Essay, das sich mit dem Schreiben fürs Fernsehen beschäftigt. Da sich das nur der Form, nicht aber dem Wesen nach vom Buchschreiben unterscheidet, sind die dort getroffenen Aussagen ohne Abzug übertragbar.

Lässt man Kritik zu, stellt sich die Frage: von wem? Verwandte und Freunde fallen flach. (siehe ebenfalls oben erwähntes Essay). Creative-writing-Lehrer sind, wie bereits erwähnt, eine unzuverlässige Quelle. Es bleiben noch Autoren-Kollegen, bei denen aber niemand weiß, wie viel Prozent Neid in der Kritik stecken. Austeilen ist beliebt, einstecken im gleichen Maß nicht. Wildfremde sind eigentlich die beste Wahl. Also das ganze Ding in eine Internet-Autoren-Community setzen, mit der Gefahr, dass da schon ein paar sind, die das super finden, es aber auch gleich klauen. Siehe Intertextualität. Was bedeutet, andere machen die Kohle mit Ihren Ideen. Es gibt nur zwei Auswege: Gottvertrauen oder das Urteil eines unabhängigen Lektors, der natürlich Bares dafür sehen will.

Wer endlich ein fertiges, sorgfältig verfasstes und sauber korrigiertes Manuskript in den Händen hält, erkennt, dass die Existenz als Autor einen entschiedenen Nachteil hat: Man wird das Buch nicht los!

Denn am Ende des dunklen, einsamen Pfades lauern die mit dem Henkersbeil. Und denen dürfen Sie nicht etwa aus dem Weg gehen. Sie müssen direkt auf sie zu. Ihnen werden Sie das Buch anbieten. Den Agenten und Verlagslektoren. Beide leben in der festen Überzeugung, genau zu wissen, welche Geschichten im Literaturbetrieb Erfolg versprechen. Und beide haben davon kaum mehr Ahnung als eine Bäckereifachverkäuferin.

Denn was sie für ihre professionelle Einschätzung halten, ist nichts weiter als ein geschmäcklerisches Urteil. Sie selbst empfinden etwas als gut oder schlecht, nicht der Leser. Einzig mit komplett subjektiver Begründung bestimmen sie, welches Buch erscheinen darf. Das trifft natürlich nicht auf all diese Geschmacksverwalter zu. Es kommen ja auch tolle Bücher auf den Markt. Und dafür zeichnet ebenfalls ein Agent, Lektor und Verkaufsleiter verantwortlich. Es ist nur so: Man findet hier das gleiche Missverhältnis wie zwischen talentierten Autoren und unbegabten. Was das geschmäcklerische Urteil wert ist, mag diese Geschichte verdeutlichen:

Eine Englischlehrerin bot ihr Manuskript an und wurde von 12 Verlagen abgelehnt. (Nur am Rande: Sie hat den Rat missachtet, über etwas zu schreiben, das sie kennt.) Die Dame heißt Joanne K. Rowling und ihr Protagonist ist Schüler in einem Zauberer-Internat. Da urteilten Agenten, empfanden es als „nicht gut“. Lektoren lehnten ab mit ihrer Lieblingsbegründung: „Passt nicht ins Verlagsprogramm“. Und dann, vorausgesetzt man nimmt die ersten beiden Hürden, prescht noch der Verkaufsleiter dazwischen, dessen Einschätzung am kürzesten ausfällt: „Verkauft sich nicht.“

Und Frau Rowling ist keine Ausnahme. Das ist sogar dem Herrn Nabokov und seiner „Lolita“ passiert. Natürlich landet jede Menge Mist auf den Tischen. Es ist aber genau die Aufgabe dieser Menschen, den Diamanten vom Holz zu unterscheiden. Das funktioniert eben nicht, wenn ausschließlich aufgrund des eigenen Geschmacks einfach BESTIMMT wird, was Edelstein ist und was in den Kamin gehört. Kann jemand erklären, warum 12 Verlage nicht imstande waren, das Potential von Harry Potter zu erkennen? Das ist kein Einzelfall. Wer weiß, wie viele Karrieren solche Stümper schon im Keim erstickt haben. Es darf bezweifelt werden, ob es gleich drei Instanzen braucht, die mit dem geschmäcklerischen Urteil derart daneben liegen. Gebt die Bücher den Fräuleins hinter dem Bäckerei-Tresen. Die landen mit Sicherheit ebenso viele Treffer und Nieten wie die selbst ernannten Profis.

Lektion 11

Es gibt eine Möglichkeit, die Erfolgsaussichten beträchtlich zu erhöhen. Und so traurig das auch ist: Talent ist dabei eher hinderlich! Als erstes reißt man das Sprüchlein – Ein Schriftsteller ist einer, dem es unmöglich ist, nicht zu schreiben – von Spiegel, Bett und Computer. Und ersetzt es durch ein selbst verfasstes: Etwa: „DEN Mist krieg ich auch hin!“ (Kein Witz. So ähnlich hat das Dan Brown gemacht!)

Sie brauchen keine Stilfibel, keine Ahnung von der Struktur eines Dramas, kein Geld rauswerfen für einen Kurs in kreativem Schreiben, denn die nötigen Tips, wie man talentfrei Kohle scheffeln kann, kriegen Sie hiermit umsonst:

Schreiben Sie so trivial, wie´s irgend geht! Und über etwas, das erkennbar in Stil und Inhalt von erfolgreichen Vorbildern kopiert ist. Teenies mit Ponys, neuerdings ersetzt durch Teenies mit Vampiren. Immer noch geht: Frauen mit Pferden, vorzugsweise auf einem Gestüt in Cornwall. Dann sogenannte historische Romane, wobei weibliche Hauptpersonen geradewegs ein MUSS sind und historische Tatsachen nebensächlich. „Die Päpstin“ ist ein gutes Beispiel. Des weiteren Krimis und Thriller. Bei Krimis hilft es enorm, wenn sie in Schweden spielen. Noch besser ist zusätzlich ein schwedisches Pseudonym oder ziehen Sie gleich nach Schweden um. Der Aufwand lohnt sich. Von dort importieren sie haufenweise auch noch den letzten Dreck. Hauptsache, Göteborg, Ystad oder Stockholm als Ort des Geschehens. Und auf das Cover immer ein rotes Schwedenhäuschen mit See davor. Da klatscht der Verkaufsleiter in die Hände.

Und der Schmu ist ganz einfach. Sie kaufen, oder besser leihen sich, denn jeder Cent ist rausgeschmissenes Geld, fünf oder sechs Schwarten des Genres, das Sie beackern wollen. Analysieren Sie, wie die es gemacht haben. Und dann machen Sie es ganz genauso. Nur um das klarzustellen: Das soll keine Aufforderung zum Diebstahl sein. Eine eigene Idee brauchen Sie schon. Nur Mühe darauf verwenden ist nicht nötig. Wenn „Die Wanderhure“ ein Erfolg war, probieren Sie etwas ähnliches einfach mit einer stationären Prostituierten im Mittelalter.

Ich betone noch einmal: Das ist kein Witz, sondern eine gangbare Strategie! Und hier ein paar Schreiberlinge, die es zu hohem Einkommen gebracht haben und von denen Sie abschauen können, wie man das anstellt:

Rosamunde Pilcher, ungekrönte Königin, sowie Dutzende, vermutlich Hunderte, die ihrem großen Vorbild in ähnlicher Weise nachgeeifert haben. Stephenie Meyer (Teenies mit Vampiren) und ihre Nachahmerinnen. Dan Brown, Dean Koontz, Raymond Khoury, Frank Schätzing. Die Liste ist so lang wie die Genesis. Alles hohl, aber jeder Buchstabe vergoldet.

Dan Brown ist das perfekte Exempel. Die Grundidee von „Sakrileg“ hat er mal eben abgekupfert. Etwas über Gebühr bedient er sich bei der krausen Geschichtsfälschung des Franzosen Pierre Plantard. Die Struktur seines Buches hat er von einem klassischen Spielfilmdrehbuch abgeguckt. Dann das Ganze mit Tempelritter-Legenden vermischt, eine Prise Vatikan, den (wie immer) bösen Erzkatholiken und Schwadronen dummer Bullen, die nicht in der Lage sind, einen einzelnen Mann zu fassen. Nicht mal bei der Ankunft auf einem Flughafen. Alles schon mal da gewesen. Kräftig durchgerüttelt und neu zusammengesetzt. Sprachlich unterste Schublade, Figuren so platt wie tote Frösche auf der Autobahn. Und es endet wie jeder schlechte Thriller. Ein Riesenfass aufgemacht und was ist drin: nicht mal ein müder Becher Most.

Gleich auf der ersten Seite gibt Brown eine Kostprobe seines Sprachmenüs, das Amuse-Gueule sozusagen, das einem gleich im Hals stecken bleibt. Ein Mann flieht vor einem Mörder durch die Gemächer des Louvre und (Zitat): „… ließ seinen Blick schweifen auf der Suche nach einem Versteck.“

Schweifen bedeutet „schlendern, wandern“. Der normale Louvre-Besucher wird wohl seinen Blick über die Mona Lisa schweifen lassen. In Todesangst haben die Augen und der Rest des Körpers ganz sicher was anderes zu tun. Immerhin hat Brown damit eines – Abteilung dramatischer Einstieg – richtig gemacht. Die Technik des Spannungsaufbaus beherrscht er ebenfalls. Auch wenn sich hinter den meisten der zahlreichen Cliffhanger nur taube Nüsse verbergen. Diese hier knack ich stellvertretend. In einem Kapitel sagt der Protagonist einem geneigten Zuhörer: „Ich zeige Ihnen jetzt etwas, das wird Ihre Weltsicht auf den Kopf stellen.“

Oh, ja, das will ich auch wissen, denkt sich der Leser und erwartet fulminantes. Dann, weil´s ja ein Cliffhanger ist, muss er sich erst durch ein anderes Kapitel arbeiten. Der Leser kehrt mit in den Himmel geschraubter Erwartung zurück. Wie war das? Ah, ja. Die Weltsicht auf den Kopf stellen. Und was kommt? Der tolle Symbologen-Hauptcharakter zeigt ein Dreieck, Spitze nach oben. Die vereinfachte Darstellung einer Pyramide. Dann dreht er es auf den Kopf. Macht ein Dreieck, Spitze nach unten. Die vereinfachte Darstellung eines Kelches. Die Pappnase stellt da lediglich ein Dreieck auf den Kopf und mit ziemlicher Sicherheit nicht mal die Weltsicht eines Zehnjährigen. Die folgende Erklärung ist ebenso mau wie das Bild. Solcherart profane Rätsel löst der Protagonist zuhauf in dem Buch, nur nicht das allergrößte: sein Beruf. Was ist ein Symbologe? Und kann man davon leben? Sicher nur in der dürftigen Phantasiewelt eines Dan Brown. Und dieser Simpelschreiberei hat die Stadt Paris eine Sightseeing-Tour zu den Spielorten des Thrillers eingerichtet. Nur zur Erinnerung: Die Story basiert auf dem Fake eines Betrügers. ABER: praktisch aus dem Stand 36 Millionen mal verkauft. (Inzwischen sicher mehr!) Und mit dem Veräußern der Filmrechte hat Brown sich die Teile seines Körpers vergoldet, die noch nicht aus Edelmetall bestanden. Hut ab! Von dem Kerl kann man lernen, wie wenig Aufwand Schreiben erfordert, um Dutzende Koffer Cash nach Hause zu rollen.

Auch hierzulande gibt es Schreiber, die Herrn Brown in dieser Hinsicht erfolgreich nachahmen. Der erste Rang, zumindest was Stil und Figurenzeichnung angeht, gebührt Frank Schätzing. Allerdings bekommt man bei ihm nicht so leicht raus, wie er das angestellt hat, seinen todöden „Schwarm“ millionenfach zu verkaufen. Die Romane, die er bis dahin unter das Volk gebracht hat, lagen im Vergleich dazu wie Blei in den Regalen. Er lässt keine Gelegenheit aus, sein Tsunami-gewelltes Haupthaar in jede eingeschaltete Kamera zu halten. Bei einer davon ist er möglicherweise irgendwann bereit, das Geheimnis öffentlich kundzutun. Er selbst sagte mal, ein Thriller sei zu einem bestimmten Teil ein Volkshochschulkurs. In seinen Büchern nimmt dieser Teil einen erheblichen Raum ein. In guten Thrillern habe ich von so etwas nie eine Spur entdecken können.

Denn nicht diese Genres an sich sind flach. Das geht auch hochwertig. „Shining“ und „Carrie“ von Stephen King sind exzellente Thriller, gerade sprachlich. Es gibt hervorragende Krimis, um nur mal die Altmeisterinnen Agatha Christie und Patricia Highsmith zu nennen. Und wer wirklich gute, historische Romane mag, dem sei wärmstens „Die rechte Hand Gottes“ von Michel Folco ans Herz gelegt. Wenn allerdings Sie selbst mit ähnlich ambitioniertem Zeugs antanzen, können Sie sicher sein, dass es nicht ins Verlagsprogramm passt.

Lektion 12

Der zweite Weg, ohne jede Begabung das dicke Geld zu machen, steht leider nicht jedem offen. Dazu muss man erst ein paar Jahre im Rampenlicht herumzappeln, um auf sich aufmerksam zu machen. Und das funktioniert wie alles am besten, wenn sich dabei das Verhältnis von Qualität zu großer Klappe möglichst weit Richtung Lautstärke neigt. Zwei, die sich mit banalem TV-Geplaudere einen prominenten Ruf erworben haben, nutzten diesen später, literarische Belanglosigkeiten in Umlauf zu bringen: Charlotte Roche und Sarah Kuttner. Es gibt auch satt Männer, die Schrott abliefern. Aus einem mir unerfindlichen Grund beschränken sich die prominenten Herren aber auf das Verfassen von Autobiographien, Ratgebern und Reisefibeln. Und meist stammt dieser verzichtbare Unfug nicht mal von ihnen selbst, sondern von Ghostwritern.

Wie dieser Weg funktioniert, veranschaulicht das Geschreibsel der Erstgenannten: „Feuchtgebiete.“ Das sprachliche Niveau lässt sich mühelos von einem Zehnt-Klässler erreichen. Und ob man für das inhaltliche überhaupt je eine Schule besuchen muss, ziehe ich in Zweifel. ABER: eine Menge provokantes Zeugs, Sex sells, plus prominenter Name. Und prompt vom Tisch ist das geschmäcklerische Urteil. Von wegen: „Nicht gut.“ Oder: „Ich glaube nicht, dass es die Leser anspricht.“

Da wird alles wuschig, vom Agenten über die Lektoren bis zum Verkaufsleiter. Keiner von denen käme im Ansatz auf die Idee, das würde nicht ins Verlagsprogramm passen. Selbst wenn sie bis dahin nur Kinderbücher herausgegeben haben. Vermutlich hat man der Dame ordentlich das gepuderzuckert, was sie in dem Werk ihr Analfissur-geplagtes Poloch nennt.

„Toll! Echt Super-Story.“

Was nichts anderes sagen soll als: Damit machen wir jede Menge Kohle. SO läuft der Laden. Und selbstverständlich durfte Fräulein obendrein auch noch einen zweiten literarischen Blindgänger hinterher schießen. Das ist eines der Gesetze der Branche. Ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad sind Können und Qualität keine Kriterien mehr. Tragen Sie einen Namen, der zieht, können Sie denen ein Fuder Pferdemist für Gold verkaufen. Und die jubeln noch. Würde ein unbekannter Versicherungsvertreter etwas derartiges unverlangt einsenden, könnte er, wenn überhaupt, nur mit EINER Reaktion rechnen. Jener, mit der man auch Frau Feuchtgebiet hätte abservieren sollen: „Beleg einen Kurs für kreatives Schreiben und komm das nächste Mal mit etwas Inhalt.“

Die stets ihre Zonen-Herkunft herausposaunende Sarah Kuttner hat nicht ganz so viel Erfolg wie ihre TV-Kollegin. Was ihrer Fabulierkunst geschuldet ist. Die Messlatte für interessantes Erzählen würde ich bei Frau Roche schon tief hängen. Unter die von Kuttner krieg ich dann nur noch meine Badelatschen. Ein flüchtiger Blick auf die ersten zwei Seiten ihres Buches „Mängelexemplar“ treibt mir schon das Gähnen heraus. Einzig der Titel passt wie die Faust aufs Auge. „Mängelexemplar“ trifft in jeder Hinsicht zu.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Hat man keinen prominenten Namen, kein Talent, kein Glück, kein Durchhaltevermögen, kein Geld und keine Beziehungen. (Und mindestens fünf davon brauchen Sie auch als guter Autor!), bleibt nur noch der Skandal! Provozieren Sie einen. Abraten würde ich von Gewaltakten. Sie müssen erst Jahre im Knast sitzen und dann ernsthaft bereuen, um ein Buch darüber schreiben zu können. Umständlich und vor allem moralisch nicht einwandfrei. Der leichteste Weg, der gleich auch wieder mit Sex zu tun hat, was immer Aufsehen erregt, im günstigsten Fall in Zusammenhang mit Drogen:

Schlafen Sie mit einer bekannten Persönlichkeit und lassen die Presse anschließend wissen, wie Scheiße/Spitze er/sie trotz oder wegen einer vollen Nase Kokain im Bett war. Hat schon geklappt. Und dabei die Reihenfolge beachten!

ERST das Buch schreiben. Dann bumsen! Dann Skandal, dann Ruhm.

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