Teil 5

Erfolgreich Bücher schreiben und verkaufen

 

Der andere Weg

Lektion 13

Soweit die Anforderungen an den Autor und die Fallgruben des Geschäftes. Ich hoffe inständig, dass ich 99 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Kurs mit der bisherigen Lektüre die Lust auf das Schreiben vergällt habe. In Ihrem eigenen, vitalen Interesse. Wenn Sie weiterhin darauf bestehen, Ihr Geld mit Schreiben zu verdienen, hartnäckig daran festhalten, Talent zu besitzen, dann werden Sie, und hier hört die Sache auf, kostenlos zu sein, mit Ihrem Leben bezahlen. So, und nun können Sie mit der Schreiberei anfangen. Sie brauchen nichts weiter, als meine Lektionen im Hinterkopf zu behalten. Da es weit bessere Lehrer gibt als mich und ich nicht die Absicht habe, jemandem das Geld aus der Tasche zu ziehen, empfehle ich im weiteren fünf Bücher, mit denen Sie in der Lage sein werden, etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen. Zusammen kosten sie nicht mal die Hälfte eines herkömmlichen creative-writing-Kurses. Und für die Handvoll, die Talent besitzt und hartnäckig bezweifelt, eines zu haben, sind diese Werke eine Goldgrube.

1. „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, Band 1 und 2, von James N. Frey.

Band 1 richtet sich an blutige Anfänger. Und deshalb gibt der Mann, soweit ich mich erinnere, den Rat, über etwas zu schreiben, was man kennt. Ignorieren Sie das. Die übrigen Ratschläge sind präzise, mit guten Beispielen versehen, eingängig, ohne Geschwafel. Frey neigt stellenweise zur Übertreibung. So empfiehlt er, für jede Figur eine vollständige Biographie anzulegen. Das mag für manchen Ungeübten hilfreich sein. Ob man´s wirklich braucht, stellt sich von ganz allein heraus.

Band 2 sollte eigentlich nur die Hälfte kosten, da er dort einen guten Teil aus dem ersten Band wiederholt. Na ja, so kriegt man die Seiten auch voll. Die darüber hinaus gehenden Tips sind aber allesamt brauchbar und führen über den Anfänger-Status hinaus. Frey hat inzwischen eine ganze Reihe „Verdammt guter“-Ratgeber verfasst. Für all jene interessant, die sich gleich auf ein bestimmtes Genre stürzen wollen. So gibt es: „Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt“. Dort dürfte er sich das Sprüchlein, über etwas zu schreiben, das man kennt, wohl gespart haben. Ich glaube kaum, dass sich das Lehrbuch ausschließlich an Kriminalkommissare und Mörder wendet.

2. „Über das Schreiben“, von Sol Stein

DAS Buch über das Schreiben schlechthin. Daraus stammt der in Teil 1, Lektion 3 zitierte Satz über die Motivation. Stein geht umfassender und tiefer als Frey in die Eingeweide des Erzählens. Ausgezeichnet, auch weil man sie selten in solchen Büchern findet, sind die ausführlichen Kapitel über die Funktion und Technik des Dialoges. Er führt ebenfalls gute Beispiele aus der Literatur an und hält am Ende praktische „Check-Listen“ parat.

3. „Deutsch für Kenner“ und „Deutsch für Profis“ von Wolf Schneider.

Wie die Titel verraten, beschäftigen sich beide Bände mit dem Handwerkszeug des Schreibers, der Sprache. Das erste Buch vorwiegend mit dem präzisen Umgang. Häufig zitiert Schneider bis ins Lachhafte gehende Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften. All seine Anmerkungen darüber sind auch auf die Erzählprosa anwendbar. Ein wertvoller Ratgeber und lustig geschrieben. Der zweite Band ist die beste Stilfibel, die ich je über die deutsche Sprache gelesen habe. Ein MUSS. Diesem Buch habe ich die in Teil 3, Lektion 9 angeführte Metapher von den „Augen der Hitlerjungen“ entnommen. Ebenfalls knapp, verständlich und humorig geschrieben. Und Schneider verrät einige Dinge über das Deutsche, für die Sie sonst ein oder zwei Semester Germanistik studieren müssten.

Wolf Schneiders Anweisungen sollte man auf den Buchstaben befolgen, die ersten drei Bücher stellen Regeln auf. Nicht alle davon müssen sklavisch eingehalten werden. Und sie sind dehnbar bis zum Brechen. Aber Vorsicht: Ich habe persönlich schon schreibwillige Volldeppen erlebt, die Regeln brechen wollten, bevor sie auch nur eine davon gelernt haben. Doppelt dämlich. Man muss Regeln nicht nur kennen, sondern sie auch anwenden können. Und erst dann kann man sie ignorieren, brechen oder besser: verändern.

Und jetzt ran an Ihre Geschichte. Halten Sie sich an die Ratschläge dieser Herren und Sie werden eine gute Story hinkriegen. Und wenn es Ihnen gelungen ist: Die Überarbeitung nicht vergessen. Ich kann es nicht oft genug wiederholen.

Der erste Entwurf ist immer Scheiße!

Dazu noch eine Hilfestellung. Die stammt nicht von mir, sondern vom Erfolgsautor Andreas Eschbach. Kostenlos ist sie auch noch. Auf seiner Homepage stellt er einen Zehn-Punkte-Plan vor, wie man fertige Manuskripte korrigiert. Wie er selbst sagt, handelt es sich dabei um eine sprachlich-stilistische Überarbeitung. Zitat:

„Zuvor muss alles Inhaltliche stimmen.“

Eschbachs Korrekturplan ist ein phantastisches Werkzeug. Sehr zu empfehlen. Sie werden Augen machen, wie viele Macken Sie in dem angeblich fertigen Manuskript noch finden.

Folgende Links sind für die Mutigen, die sich den Henkern des Literaturbetriebes stellen wollen. Für jeden, der noch NIE veröffentlicht hat, vermutlich gilt das aber für alle anderen auch, empfehle ich dringend, den Weg über einen Literatur-Agenten zu wählen. Unverlangt an Verlage gesendete Manuskripte sieht man im Leben nicht wieder. Wenn man denn überhaupt eine Antwort bekommt, dann eine standardisierte Ablehnung, mit der man rein gar nichts anfangen kann. Diese Ablehnungen werden nicht individuell begründet und vermitteln lediglich das Gefühl, der letzte Arsch in der Schlange zu sein.

Als erstes also zwei Seiten, die einen bei der Suche nach einem Literaturagenten weiterführen. Falls dort nicht erwähnt, warne ich an dieser Stelle vor: Es gibt eine Menge schwarze Schafe unter den Agenten. Will einer Geld sehen VOR einer erfolgreichen Vermittlung: Vorsicht!!! Eine seriöse Agentur geht, wenn sie das Manuskript zur Vermittlung annimmt, in Vorleistung. Hält sie es beispielsweise für notwendig, das Manuskript professionell lektorieren zu lassen, übernimmt sie die Kosten, nicht der Autor. Erst NACH einer erfolgreichen Vermittlung an einen Verlag kassiert sie einen prozentualen Anteil an den Verkäufen. Meistens 15, manchmal 20 %. Diese beiden Seiten listen meines Wissens nach aber nur Agenturen, auf die man sich in diesem Punkt verlassen kann: Agenten finden 1 oder Agenten finden 2.

Wer meinen Rat in den Wind schlägt und doch gleich an die Verlage ran will, nur zu. Hier gilt das gleiche wie bei den Agenten. Es gibt Verlage, die es auf Ihr Geld abgesehen haben, statt Ihnen welches zu verschaffen. Wie man die Spreu vom Weizen trennt, erklärt diese Seite.

Eine gute Liste mit über 500 Verlagen, sortiert nach Alphabet und, was die Sache einfacher macht, nach Genre, ist diese:

http://www.literatur-verlage.de/

Oder einfach hier bei Wikipedia reinschauen.

Es ist durchaus möglich, dass es mal ein unveröffentlichter Autor auf diese Weise geschafft hat oder schafft, sein Manuskript zu verkaufen. Wenn ja, bitte melden. (siehe Kontakte im Impressum) Würde mich einfach interessieren.

Agenten und Lektoren verlangen außer einer Textprobe ein Exposé Ihrer Arbeit. Das ist der sogenannte Teaser, der Neugierig-Macher. Wenn der schon Scheiße klingt, werfen die Typen die Leseprobe gleich in den Mülleimer. Die Angaben über die Länge des Exposés schwanken. Manche empfehlen bis zu vier Seiten. Man muss nur bedenken: Diese Leute haben einen Haufen Papier auf dem Schreibtisch durchzuackern. Die Aufmerksamkeitsspanne für jede einzelne Idee ist denkbar kurz. Nach meiner Erfahrung werden bei einem Exposé mehr als zwei Seiten als Zumutung betrachtet. Ein ganzes Buch darauf runterzukochen und als tolle Idee zu verkaufen, ist extrem schwierig. Ich stand vor der Aufgabe, das mit einem 600-Seiten-Werk anzustellen. Aber es geht. Wie, wird hier erklärt: Expose schreiben 1 und etwas ausführlicher Expose schreiben 2.

Lektion 14

Als letztes möchte ich noch auf eine Möglichkeit hinweisen, das eigene Buch loszuwerden, die ich bislang verschwiegen habe. Sie kommt für all die Kursteilnehmer in Frage, die sich von meinen Lektionen nicht abschrecken lassen. Die aber trotzdem liebend gern den Henkern aus dem Weg gehen wollen. Es ist das mittlerweile gut bekannte Ebook-selfpublishing. Das hat Vor- und Nachteile. Zuerst die gute Nachricht. Sie müssen sich nicht mehr dem Diktat des geschmäcklerischen Urteils unterwerfen. Die Typen mit dem Fallbeil sind Sie los. Ein für alle Mal. Das war´s aber auch schon. Der Rest liegt vollständig bei Ihnen. Korrektur, inhaltliches Lektorat, Formatierung, Cover-Erstellung, Verkauf, Marketing. Das ist ein ziemliches Paket. Und Sie treten gegen Tausende an, die es auch versuchen. Andererseits, auf dem Printmarkt sieht es nicht anders aus, sollten Sie es in die Riege der Veröffentlichten schaffen. Ein Versuch ist es also wert. Dies ist gute Seite mit ersten Ratschlägen.

Ausführliche Informationen finden sich in dem auf dieser Seite angebotenen Ebook „Amazon Kindle: Eigene ebooks erstellen und verkaufen“ von Wolfgang Tischer. (Erschienen, natürlich, bei Amazon). Es ist jeden Cent der 2.99 € wert. Wie unschwer am Titel zu erkennen, behandelt es ausschließlich den Weg, eigene Werke über Amazons „kindle direct publishing“ anzubieten.

Amazon selbst bietet zu dem Thema ebenfalls gute Hilfeseiten, sowie ein kostenloses Ebook: „Erstellung eines Kindle-Buches.

Da finden sich noch ein paar Spezereien, die man im Eifer des Gefechtes gerne übersieht. Dafür braucht man sich übrigens nicht extra ein Kindle-e-reader zu kaufen. Ebenfalls auf der Amazon-Seite lässt sich, auch kostenlos, eine Kindle-Lese-App runterladen. (erforderlich zum Herunterladen des Ebooks ist allerdings ein Amazon-account. Der ganz normale, den man auch benutzt, um dort einzukaufen. Wer noch keinen hat, kann die Gelegenheit ergreifen, sich einen account einzurichten. Denn der ist gleichfalls Voraussetzung, um sein eigenes Ebook dort hochzuladen und zu verkaufen.)

Wer über mehrere Portale verkaufen möchte, für den gibt es die Möglichkeit, sich solchen Vereinen wie Neobooks oder bookrix anzuvertrauen. Es gibt noch andere, aber diese beiden bieten nach meinem Wissen die vorteilhaftesten Konditionen. Es handelt sich dabei um sogenannte Distributoren. Auch hier ist der Autor Selbstverleger und die Gefahr gering, dass ihm ins Buch gequatscht wird. (Das hat selbstverständlich seine Grenzen. Mit extremen Inhalten dürfte es überall Schwierigkeiten geben. „Selbstmordattentate leicht gemacht“ kriegen Sie nirgendwo los.)

Bei Neobooks als auch bei bookrix verlieren Sie in einigen Fällen* einen gehörigen Anteil dessen, was Sie an Tantiemen als Selbstverleger bei Amazon machen könnten. Auf der anderen Seite nehmen Ihnen beide einen Haufen Arbeit ab. Hier senden Sie beispielsweise nur ein Coverbild und das Manuskript als Word-Datei ein. Mit den erforderlichen Umformatierungen in ein Ebook brauchen Sie sich nicht auseinanderzusetzen. Und beide bieten Ihr Ebook eben nicht nur bei Amazon an.

Sowohl Neobooks als auch bookrix haben noch einen großen Vorteil. Die Verträge sind täglich kündbar. Gefällt einem was nicht, einfach gehen. Was besser ins eigene Gehege passt, muss jeder für sich selbst ausrechnen. Für was auch immer Sie sich entscheiden: Viel Glück!

Sie werden es brauchen.

* hier habe ich ein konkretes Rechenbeispiel aufgeführt, was man wo mit seinem Ebook verdienen kann. Bei Neobooks haben sich die Verdienstmöglichkeiten zum Vorteil des Autors inzwischen geändert.

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