Zu Titel und Inhalt

Die Stadt, das Leben und die Musik

 

Der Roman „Saigon Sound“ ist der erste Band einer Trilogie. Einer sehr lockeren. Denn es verbindet die einzelnen Bücher nur eins: Alle spielen in einer asiatischen Großstadt. Es werden Manila folgen, Bangkok, Tokio, usw. Leicht zu erkennen, dass daraus also auch eine Quadro – oder Pentalogie werden kann.

Großstädte haben mich immer fasziniert. Sie sind eine Art Zivilisationsverdichtung. Komprimieren die Gefühle, verstärken sie gleichzeitig und beschleunigen alles. Ich glaube, dass man in Großstädten tatsächlich schneller alt wird. Womit das Leben selbst sich verkürzt. Man muss sich beeilen, um nichts zu verpassen. Und dabei verliert man sich. Metropolen sind in ihrer Komplexität nicht zu greifen, einfach zu groß, zu viel. Offenbaren das eine, verbergen das andere. Enttäuschen Erwartungen und faszinieren mit Unerwartetem. Sie entsprechen damit im Kern der menschlichen Existenz. Man versucht, einzutauchen, zu verstehen und steht immer nur mit ein paar Schnipseln da, die einfach kein Bild ergeben wollen. Anders als in Paris, Rom oder London schwingt in asiatischen Großstädten im Hintergrund zusätzlich noch etwas Geheimnisvolles mit, das sich der äußeren Wahrnehmung entzieht. Ein Klang, der nur von der Seele erfasst werden kann.

Dies alles spiegelt sich im Titel des Romans: „Saigon Sound“.

Einerseits lag es in meiner Absicht, die Story wie das Album eines Musikers „klingen“ zu lassen. (In Vinylzeiten hieß das „Platte“, heute ist es eine CD.) Unter anderem sind deshalb die Kapitelüberschriften so gewählt, als seien es Songtitel. Einige davon beziehen sich mehr oder weniger direkt auf existierende Songs verschiedener Künstler. In der Story selbst finden sich weitere Anspielungen. Eine der Nebenfiguren ist Mat, ein Ire, der in Saigon eine Bar betreibt. Im Kapitel „Das Gespenst der Liebe“ wird sein Nachname erwähnt. Das spielt an auf einen Song aus Nick Cave´s Album „Murder Ballads“. Ein reichlich rüdes Stück über einen pub-fight mit blutigem Ausgang.

Gleichzeitig beziehen sich alle Titel natürlich auch auf den Inhalt des entsprechenden Kapitels. In einem spielt das Konzert einer Band eine Rolle, was das Musikthema insgesamt verstärken soll. Andererseits bedeutet das englische Wort „Sound“ nicht nur Klang, sondern als Adverb auch: gesund, vernünftig, normal. Eine Ironie. Das, was dem Protagonisten Daniel in Saigon widerfährt, ist alles andere als gesund, vernünftig oder normal.

Damit transportiert der Romantitel das Hintergrundthema. Wie Großstädte entziehen sich die Dinge und Personen in unserem Leben einem direkten und konkreten Zugriff, bleiben mehrdeutig, vielfach interpretierbar. Wir können nie sicher sein, ob sie wirklich so sind, wie wir sie sehen. Oder hören. Denn das gleiche trifft auch auf die Musik zu. (Abgesehen natürlich von den „I love you“-Tralala-Schlagern und Marschmusik!)

Es gibt zwei Dinge, die beim Lesen des Romans womöglich Irritationen auslösen. Das möchte ich an dieser Stelle aus dem Weg räumen oder wenigstens abmildern. Zum einen könnten manche vielleicht auf die Idee verfallen, das Buch strotze nur so vor Rechtschreibfehlern. Der Eindruck täuscht. Warum, steht in dieser Erläuterung. Zum anderen enthält die Story einige teils ruppige Sex-Szenen. Möglich, dass es die Pornografie streift. (Folgt man einem etwas konservativen Begriff.) Die Ausschweifungen dienen nicht der Effekthascherei. Sie erfüllen eine der Erzählung inhärente Funktion. Ebenso wie bei etlichen anderen, etwas praller geratenen Passagen ging es mir darum, einen klaren, möglichst drastischen Kontrapunkt zur mehrdeutigen Hintergrund-Melodie zu setzen. Und für das, wozu Pornografie üblicherweise benutzt wird, taugen diese Szenen ohnehin nicht.

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